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Index
- Von der Jagd und der Rolle des Fuchses in unserem Ökosystem
- Der Rotfuchs
- Andere Fuchsarten
- Sozialstruktur und Revier
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Von der Jagd und der Rolle des Fuchses in unserem Ökosystem
Seit jeher dringt der Mensch in die Gebiete der Wildtiere ein (und nicht
umgekehrt!). Als der Mensch vor einer halben Ewigkeit vom Pflanzenfresser zum
Allesfresser mutierte und somit zum Jäger wurde, sah er die “Raubtiere“,
wie der Name schon sagt, als Gegenspieler an, die ihm seine Beute wegnehmen
wollten. Als Konsequenz wurden die Raubtiere gejagt, damit das essbare Wild den
Menschen erhalten blieb.
Es scheint, als habe sich die Welt seither kaum geändert: Noch immer gibt es
diesen Konkurrenzkampf. Nachdem die großen Beutegreifer (Wolf, Bär und Luchs)
in Deutschland ausgerottet wurden, ist der Fuchs (neben der seltenen Wildkatze)
einer der letzten Raubtiere. Glücklicherweise erlebt der Wolf in Deutschland
vom Osten her ein verhaltenes Comeback. Wolf und Fuchs, zwei alte verwandte,
haben im Prinzip das gleiche Problem: Sie konkurrieren mit dem Menschen um
Nahrung und das wurde ihnen zum Verhängnis. Der Unterschied von damals zu heute
liegt allerdings darin, dass der Mensch nicht mehr auf die Jagd angewiesen ist
und die Jägerschaft vielmehr eine Minderheit von 0,4 % geworden ist, die
verzweifelt um ihre Berechtigung in der heutigen Zeit kämpft. Im Gegensatz zum
Wolf konnte sich der Fuchs bislang gegen seine Verfolger behaupten. Aber die
Jagd geht weiter: Für die Fuchsjagd gibt es die verrücktesten Argumente von
Seiten der Jäger: Ein Mittel ist die Angstmache vor Tollwut und Fuchsbandwurm
– in beiden Fällen ist Jagd absolut sinnlos (siehe Vorurteile). Oft wird auch
behauptet, dass die Beutegreifer (allen Voran die Füchse) geschossen werden müssten,
weil sie die gefährdeten Tierarten wie z. B. Feldhase und Rebhuhn fressen würden.
Besonders interessant in diesem Zusammenhang ist es zu wissen, dass die Jäger jährlich
selbst etwa 400.000 Feldhasen schießen – so viele, dass nach Meinung von
Experten der Bestand dies auf Dauer nicht aushalten wird!. Hier wird besonders
deutlich, dass der Fuchs im Grunde nur als Konkurrent angesehen wird, den es zu
beseitigen gilt. Unter dem Deckmantel der Artenerhaltung wird quasi eine
Artenvernichtung angestrebt. Soviel zu den uralten Argumenten für die Fuchsjagd
und der Lüge von nachhaltiger Jagd.
Längst wissenschaftlich belegt ist dagegen die Wichtigkeit der Raubtiere in
unserem Ökosystem. Füchse nehmen eine enorm wichtige Funktion wahr: Sie halten
den Tierbestand gesund. Beispiel Feldhasen: Füchse sind Allesfresser und können
auch Feldhasen erbeuten. Das sieht aber in der Regel so aus, dass der Fuchs sich
dem Hasen zunächst soweit wie möglich nähert. Da Hasen über ein weit
entwickeltes Bewegungssehen und einen sehr guten Geruchs- und Hörsinn verfügen,
bemerken sie einen Fuchs normalerweise und flüchten, wenn der
“Sicherheitsabstand“ zu klein wird mit Höchstgeschwindigkeiten von bis zu
80 Km/h. Der Fuchs kann seine Beute aber nur mit einer Höchstgeschwindigkeit
von gut 50 Km/h verfolgen und der Hase entkommt bequem.
Ähnlich sieht es auch mit anderen Tierarten aus. Weil Füchse hauptsächlich
kranke und schwache Tiere erbeuten können, halten sie den Bestand gesund.
Abgesehen davon kann es nie zu viele Füchse geben, weil das Nahrungsangebot
sowohl die Reviergröße, als auch die Anzahl der Nachkommen (Geburtenkontrolle)
reguliert.
Eine weitere wichtige Funktion hat der Fuchs, weil er auch Aas nicht verschmäht.
Aas ist Quelle für verschiedenste krankmachende Bakterien und Vieren
(Seuchengefahr!) und wäre daher eine nicht zu unterschätzende Gefahr für
andere Tiere, wenn es nicht der Fuchs und andere Aasfresser beseitigen würden.
Außerdem sollte man wissen, dass der Fuchs auch eine wichtige Rolle in der
menschlichen Landwirtschaft übernimmt: Feldmäuse vermehren sich beispielsweise
rasend, weil auf unseren Feldern eine unnatürlich große Ansammlung von Futter
für sie zu finden ist. Der Fuchs, für den ein Hauptanteil der Nahrung Mäuse
darstellen, reguliert hier den Bestand auf ein Normalmaß und hilf somit, die
Ernteverluste zu reduzieren. Der Fuchs gehört einfach in unser Ökosystem und
leistet hier sehr viel, auch und gerade für uns Menschen!
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Der Rotfuchs
Der Rotfuchs (vulpes vulpes) ist der bekannteste Vertreter seiner Art und auch
der am weitesten verbreitetste wilde Canide und nach dem Menschen wohl das
erfolgreichste Säugetier der Erde. Er ist in fast ganz Europa, weiten Teilen
Asiens, Australien, Nordafrika und -amerika, sowie auf Pazifikinseln vertreten.
Der Rotfuchs ist, wie alle anderen Fuchsarten auch relativ eng verwand mit dem
Wolf und somit auch mit dem Hund. Mit einem Gewicht von 5 bis 6,5 Kg, einer Körperlänge
von etwa einem Meter (inklusive Schwanz, der rund ein Drittel der Körperlänge
ausmacht) und einer Schulterhöhe von etwa 40 cm ist der Rotfuchs auch der
schwerste und größte Fuchs.

Auf der Speisekarte des Karnivoren (Fleischfressers) stehen aber nicht nur
andere Tiere wie Insekten und Nager, sondern oft und gerne auch Früchte. Auch
Aas und Essensreste von Menschen verschmäht ein Fuchs nicht, daher kann man ihn
schon eher als Allesfresser bezeichnen. Als Jagdstrategie ist vor allem der “Mäusesprung“
bzw. Beutesprung bekannt, bei dem der Fuchs sich mit einem gewaltigem Sprung über
seine Beute katapultiert (die er mit seinen feinen Ohren außerordentlich genau
orten kann) und sich dann gezielt darauf stürzt. Füchse essen auch gerne
Regenwürmer. Sie greifen die Regenwürmer, die ihren Kopf in warmen, feuchten Nächten
aus der Erde stecken, vorsichtig mit den Zähnen und ziehen sie behutsam aus der
Erde. Die Präzision und das Gefühl mit der Füchse dies tun ist beachtlich.
Der Rotfuchs kann aus dem Stand 2 Meter hoch oder und 5 Meter weit springen und in
vollem Lauf eine Höchstgeschwindigkeit von gut 50 Km/h erreichen.
Dennoch kann
er selbst mit diesen außerordentlichen Fähigkeiten beispielsweise keinen
gesunden, aufmerksamen Hasen erbeuten, der ihm sofort davon laufen würde. Für
einen Caniden (Hundeartigen) kann ein Fuchs relativ gut klettern. Gemessen an
Kletterern wie z. B. dem Waschbär ist er jedoch ein miserabler Kletterer, der
keinem Tier auf einem Baum gefährlich werden kann.
Rotfüchse leben in einem Bau (oft verlassene Dachsbauten), haben allerdings
meist zur Sicherheit mehrere, die regelmäßig bewohnt werden. Es wurde auch
beobachtet, dass Füchse mit einem Dachs oder Kaninchen/Hasen in einem Bau
zusammen gelebt haben, ohne dass es zu Beißereien gekommen ist bzw. die
Mitbewohner gar aufgefressen wurden. Dieses soziale Verhalten wird als
“Burgfrieden“ bezeichnet.
Rotfüchse sind in der Regel nachtaktiv und ruhen tagsüber nicht unbedingt im
Bau, sondern gerne auf einem Feld, windgeschützt in der Sonne - einem festen
Schlafplatz. In ruhigen und jagdfreien Gebieten können Füchse jedoch auch tagsüber
aktiver sein. Es kommt bei gutem Wetter vor, dass der Bau wochenlang nicht
benutzt wird. Bei schlechtem Wetter sucht ein Fuchs aber gerne Schutz in seinem
Bau.
Rotfüchse halten, wie alle anderen Fuchsarten, keinen Winterschlaf. Um im
Winter oder in schlechten Zeiten nicht hungern zu müssen, legen sie überschüssige
Beutereste als Vorrat zurück, d. h. sie vergraben diese. Mit ihrem phänomenalen
Ortsgedächtnis lokalisieren sie die Vorratsplätze jeder Zeit ohne Probleme.
Paarungszeit ist Januar / Anfang Februar und nach einer Tragezeit von 52/53
Tagen werden bei Rotfüchsen durchschnittlich 4-5 Welpen geboren. Füchse leben
in Familiengruppen zusammen und sind wesentlich sozialer, als viele Menschen
denken... (mehr dazu unter „Sozialstruktur und Revier“). Der Rotfuchs hat
theoretisch eine Lebenserwartung von etwa 14 Jahren, aber ein Großteil der Füchse
stirbt vor dem ersten Geburtstag. Gründe sind vor allem die Jagd und Autounfälle.
Vom Rotfuchs gibt es verschiedenste Farbvarianten: Der Gold- oder Birkfuchs hat
ein hellrotes, fast oranges Fell und eine weiße Schwanzspitze. Der Kohl- oder
Brandfuchs hat dunkleres Fell und eine schwarze Schwanzspitze. Außerdem gibt es
noch Rotfüchse, die entlang der Wirbelsäule und der Schulterlinie Streifen
dunkleren Felles haben, so dass man von oben ein Kreuz sieht. Dann gibt es noch
den Silberfuchs, der sehr dunkle bis schwarze Unterwolle hat und helles
Deckhaar, so dass ein silberner Schimmer entsteht. Zwischen diesen Farbvarianten
gibt es natürlich wiederum Kreuzungen, so dass die verschiedensten
Fellzeichnungen mit weißen, roten und schwarzen Stellen entstehen können.
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Andere Fuchsarten
Neben dem Rotfuchs gibt es noch 22 weitere Fuchsarten, die in die
verschiedensten Regionen vorgedrungen sind. Im Lauf der Zeit haben sich Füchse
an die extremsten Bedingungen angepasst und jede Art ist ein wahrer Spezialist
in ihrem Gebiet! Von drückend heißen Wüstenlandschaften zum endlos weiten Eis
und Schnee der Arktis; von dicht besiedelten Städten zu menschenleeren Ebenen;
an alles konnten sich Füchse anpassen! Und ebenso unterschiedlich sind die
Speisepläne der verschiedenen Fuchsarten oder auch der gleichen Art an einem
anderen Ort auf der Welt.
Die nach dem Rotfuchs wohl bekannteste Fuchsart ist vermutlich der Eis- oder
Polarfuchs (alopex lagopus), der nicht der Gattung Vulpes zuzuordnen ist,
sondern der Gattung Alopex. Es gibt zwei Farbvarianten des Polarfuchses: Der Weißfuchs
ist im Winter schneeweiß und im Sommer hat er ein grau/schwarz gefärbtes Fell
mit helleren Stellen. Die zweite Farbvariante ist der Blaufuchs, der im Winter
eine bräunliche Fellfarbe mit stahlblauem Schimmer und im Sommer eine
braunschwarze Fellzeichnung hat. Der Polarfuchs ist perfekt an die extremen
Bedingungen seiner Heimat angepasst: Er hat im Vergleich zum Rotfuchs sehr kurze
Beine, kleine Ohren und eine kürzere Schnauze. Seine Pfoten sind mit wolligem
Fell bewachsen und er hat insgesamt ein deutlich dichteres Fell mit einem
wesentlich höherem Anteil an Unterwolle. Alles, um weniger Körperwärme zu
verlieren. Viele Polarfüchse haben sich eine geniale “Technik“ angeeignet,
um bequem an Beute zu kommen: Sie folgen einfach Eisbären und essen die Überreste
von deren Beute. Noch erwähnenswert ist, dass der Polarfuchs Rekordhalter ist,
wenn es um die Welpen geht. Mit einer durchschnittlichen Wurfgröße von 11
Welpen und einem unglaublichen Maximum von bis zu 19 Welpen in einem einzigen
Wurf! Trotzdem geht die Zahl der Polarfüchse im Norden seit einigen Jahren
leider stark zurück. Bedingt durch die globale Erderwärmung wurden Gebiete für
Rotfüchse zugänglich, in denen bisher nur Polarfüchse leben konnten. Weil der
Rotfuchs viel größer als der Polarfuchs ist, hat er den Polarfuchs in diesen
Gebieten verdrängt.
Praktisch das Gegenstück zum Polarfuchs ist der Fennek (fennecus zerda). Er
lebt in der Sahara und ist seinerseits perfekt an die enorme Hitze und
Trockenheit dort angepasst. Er hat riesige Ohren, die etwa 20% der Körperoberfläche
ausmachen. Er kann durch Ohren und Beine mehr Blut fließen lassen, um so mehr Körperwärme
abzustrahlen. So kann er sich “energiesparend“ abkühlen. Bei Temperaturen
über seiner Körpertemperatur (gut 38 °C) lässt er seinen Körper auf über
40°C aufheizen und beginnt erst dann zu schwitzen und zu hecheln (mit
eingerollter Zunge und mehr als 650 Atemzügen in der Minute!) um möglichst
wenig Flüssigkeit zu verlieren. Da der Fennek kaum trinken kann, muss er seine
Flüssigkeit aus seiner Nahrung entziehen, die aus Insekten, Vögeln, Echsen und
Nagern besteht.
Es gibt noch 20 andere Beispiele (neben Rotfuchs, Polarfuchs und Fennek) für
die nahezu grenzenlose Anpassungsfähigkeit der Füchse... Diese drei sollen
einen ersten oberflächlichen Einblick in die Vielfalt füchsischer Existenz
liefern.
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Sozialstruktur und Revier
Füchse sind entgegen der weitverbreiteten Meinung sehr soziale Tiere. Zu Beginn
eines Jahres verteidigt das dominante Männchen (der Rüde) sein Revier mit
verschiedenen Rufen und markiert öfter, während das dominante Weibchen (die Fähe/Füchsin)
– ebenfalls mit Rufen und Markierungen– versucht, andere Rüden anzulocken.
In dieser Zeit kann es zu Auseinandersetzungen um das Revier kommen, die aber
meist unblutig verlaufen: Nützen die akustischen und geruchlichen Warnungen
nichts, so regeln Füchse die Rangordnung mit dem “Fox Trot“. Die Gegner
stellen sich auf die Hinderläufe und stützen sich gegenseitig mit den Vorderläufen
aneinander ab. Mit weit geöffnetem Maul, begleitet von div. Ausrufen, versucht
der eine Fuchs, den anderen aus dem Gleichgewicht zu bringen... Wenn die Revierkämpfe
beendet sind und alle “Eindringlinge“ verjagt worden sind, sucht sich der
Fuchs einen Partner, den er dann bis zur Paarungszeit im Januar/Februar (die
Zeit hängt etwas davon ab, ob sich der Fuchs südlicher oder nördlicher auf
der Welt lebt) begleitet. Wie bei allen Caniden bleiben Füchse nach der Paarung
(bis zu 30 Minuten) untrennbar miteinander verbunden. Auch nach der Paarung
bleibt das Männchen bei seiner Fähe. In dieser Zeit ist die Fähe damit beschäftigt,
den Bau – oder mehrere – für die Geburt der Welpen vorzubereiten. Nach
einer Tragezeit von 52/53 Tagen (meist im März) bringt die Füchsin dann ihre
Welpen zur Welt. Pro Wurf (einmal im Jahr) sind es durchschnittlich je nach Art
4-11 Welpen, die zunächst blind sind. Der Vater hilft bei der Versorgung der
Welpen mit, indem er seine Beute zum Bau bringt und mit der Füchsin teilt. Nach
vier Wochen begeben sich die Welpen erstmals aus dem Bau und erkunden tapsig die
Welt außerhalb des Baus. Begibt sich ein Welpe zu wie von seiner Mutter weg, so
wird er mit einem scharfen Bellen aufgefordert, zurückzukommen. Bleibt die
Ermahnung der Mutter ohne Erfolg, so muss die Fähe den Welpen selbst zurückholen,
indem sie ihn mit dem Maul im Nacken greift und zurück zum Bau trägt. Das wird
nach einiger Zeit zum Vollzeitjob, denn die Kleinen werden immer mutiger und die
Fähe muss sie ständig wieder einsammeln. Haben die Kleinen Hunger, so
signalisieren sie dies mit einem dreifachen Bellen. Die säugt dann ihre Welpen,
wobei sich schon eine Kleine Rangordnung unter den Jungfüchsen bildet.
Später (Ende April/Anfang Mai) verlässt auch die Füchsin ihre Jungen öfter,
um wieder selbst für Futter zu sorgen, während die Welpen ihre ersten
neugierigen Ausflüge aus dem Bau unternehmen.
Der Vater hält sich meist in der
Nähe des Baus auf und hat gelegentlich ein Auge auf seine Kinder. Die Füchsin
kommt mehrere Male tagsüber zum Bau und versorgt die Jungen mit Beute (welche
sie auswürgt), oder später auch frischen Beuteteilen, um sie langsam von der
Milch abzugewöhnen. Im Juni sind die Welpen bereits völlig entwöhnt, werden
aber immer noch von beiden Elternteilen mit Nahrung versorgt. Sie benutzen den
Bau nun kaum noch, sondern haben wie die erwachsenen Füchse ihre Schlafplätze
oberirdisch, beispielsweise geschützt zwischen Büschen. Die Welpen sind jetzt
schon öfter längere Zeit alleine, aber die Eltern sind meist nicht weit und dösen
unweit vom Bau. Tagsüber sind die Welpen sehr aktiv und spielen lautstark
miteinander. Dabei lernen sie wichtige Fähigkeiten, die sie später für die
Jagd benötigen. In diesem Alter lernen sie so z. B. von den Eltern, überschüssiges
Essen zu verstecken. Bei den wilden Spielen wird jetzt außerdem endgültig eine
Rangordnung innerhalb der Familie ausgefochten. Überhaupt lassen sich bei Füchsen
viele Verhaltensmuster beobachten, die wir von Hunden kennen: Dominante Haltung
(mit aufrechtem Gang und aufgestellten Ohren und Schwanz), unterwürfige Posen
(mit eingezogenem Schwanz, rundem Rücken und angelegten Ohren), Begrüßung von
ranghöheren Tieren (durch berühren/belecken der Mundwinkel des Ranghöheren;
kann auch bei Wölfen beobachtet werden) oder die unverwechselbare Spielhaltung.
Füchse stärken den sozialen Verbund durch gegenseitiges Putzen des Fells und
die Mitglieder der Familie erhalten so auch einen einheitlichen Geruch, weil z.
B. durch das Aneinanderreiben von Schnauze oder Schwanz die Duftstoffe der dort
befindlichen Duftdrüsen ausgetauscht werden.
Im Juli dürfen die Jungfüchse mit den Eltern auf Entdeckungstour durch das
Revier mitkommen. In kleinen Gruppen (ein paar Jungfüchse gehen mit der Füchsin,
die anderen mit dem Rüden) lernen sie nun, wie man Beute macht. So lernen sie
z. B. wie man Regenwürmer aus der Erde bekommt. Sie schauen sich alle Tricks
von den Eltern ab und üben dann fleißig. Bei Gefahr gibt das jeweilige
Elterntier einen Warnruf ab und die Jungfüchse suchen sich schnell ein sicheres
Plätzchen.
Mit der Zeit werden die Jungfüchse immer selbstständiger und ziehen auch ohne
die Eltern los. Im September sind sie dann kaum noch von ihren Eltern zu
unterscheiden und ihre Fähigkeiten haben sich soweit entwickelt, dass sie sich
nun völlig selbst versorgen. Das ist auch die Zeit, in der es oft zu
lautstarken Interfamiliären Streitigkeiten kommt. Diese Streitigkeiten führen
schließlich dazu, dass (vor allem die männlichen) Jungfüchse den
Familienverbund verlassen (meist im Oktober/November). Oft bleiben sie jedoch
anfangs zumindest akustisch eine Zeit lang in Kontakt und halten sich im Revier
auf, bevor sie sich später auf Wanderung begeben, um ein eigenes Revier zu
finden. Die weiblichen Jungfüchse verlassen dagegen nicht immer ihre Familie.
Es kommt vor, dass sie weiterhin im Familienverband integriert bleiben. Gegen
November/Dezember treffen die Füchse dann wiederum die Vorbereitungen für die
bevorstehende Paarungszeit. Das Revier wird nun wieder öfter durch Markierungen
abgesteckt und verteidigt.
In dem hier beschriebenen Familienverband, der jetzt aus den dominanten
Elterntieren und evtl. einigen weiblichen Jährlingen (ein Jahr alte Füchse)
besteht, werden sich nur die dominante Füchsin und der dominante Fuchs (die
Eltern) paaren. Die Füchsin sorgt dafür, dass ihr Gatte ihr treu bleibt, indem
sie ihre Töchter einschüchtert und von der Paarung abhält. So wird Inzucht
verhindert. Die jungen Fähen helfen dann später bei der Aufzucht ihrer
Geschwister. Die Familiengruppen sollte man sich allerdings nicht wie einen
engen Rudelverband vorstellen. Die Mitglieder des Fuchs-Familienverbandes gehen
oft alleine auf Jagd (bleiben jedoch immer über Belllaute in Kontakt!) und
treffen sich nur ab und zu an bestimmten Treffpunkten. Bei diesen Treffen findet
Kommunikation hauptsächlich über Duftstoffe und Körperhaltung statt.
Gegenseitige Fellpflege ist wie bereits erwähnt auch wichtig und stärkt den
Familienverband. Bei der Welpenaufzucht hält die Familie am besten zusammen und
alle Erwachsenen helfen mit.
Fuchsreviere können 10 bis 5000 ha groß sein! Die Größe hängt von der
Beschaffenheit der Umgebung ab. Es müssen genügend Versteckmöglichkeiten,
Trinkplätze, Futterquellen für alle Füchse im Familienverband des Reviers
vorhanden sein. Die meisten Futterquellen sind nicht immer zugänglich. Z. B. Würmer
lassen sich nur bei bestimmten Bedingungen erbeuten. Ein Revier muss also so
viele verschiedene Futterquellen bieten, dass immer genügend Futter vorhanden
ist. Gibt es mehr Futterquellen, so sind die Reviere in der Regel kleiner. Das
Revier muss natürlich auch gegen Eindringlinge zu verteidigen sein. Bei der
Revierverteidigung beteiligen sich neben dem dominanten Paar auch die anderen
erwachsenen Füchse der Familiengruppe und daher kann es bei genügend Futter im
Revier von Vorteil sein, wenn mehr untergeordnete Helfer in der Familiengruppe
sind. Sobald aber die bessere Revierverteidigung durch mehr Mitglieder zu viel
Futter kostet, also zu viele Füchse sich von den bestehenden Futterquellen im
Revier ernähren müssen, trennen sich untergeordnete Füchse aus der Gruppe
oder werden vertrieben bzw. es können keine weiteren Erwachsenen bei der
Familie bleiben. Diese müssen sich dann ein eigenes Revier suchen.
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Ó Daniel Peller