Vorurteile


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- Füchse stinken"
- Füchse töten im “Blutrausch“
- Füchse übertragen den “Fuchsbandwurm“
- Füchse übertragen Tollwut


Füchse stinken

Das ist wohl das am weitesten verbreitetste Vorurteil über Füchse. Füchse stinken nicht! Ich beobachte “wilde“ Füchse in einem Waldgebiet nahe meinem Wohnort (siehe auch Füchse beobachten). Bei diesen nächtlichen Beobachtungsaktionen bin ich manches Mal schon recht nahe an einem Fuchs dran gewesen. Man beobachtet diese scheuen Tiere gegen den Wind, damit sie den menschlichen Körpergeruch nicht wittern können (d. h. der Wind kommt aus der Richtung, wo der Fuchs ist). Bislang ist mir nicht einmal auch nur im Ansatz ein negativer Geruch aufgefallen. Also können sie wohl kaum so schlimm riechen.
In diesem Zusammenhang sollte man jedoch wissen, dass Füchse unter Anderem über Duftstoffe kommunizieren. Zu diesem Zweck hat ein Fuchs Verschiedene Duftdrüsen am Körper, die sich an Schwanz (die sog. “Viole“), Kopf, Pfoten und After befinden. Über die genauen Aufgaben der meisten dieser Drüsen weiß man noch nicht viel, sicher ist jedoch, dass mit letzterer Drüse ein Fuchs ein intensiv riechendes Sekret in Form von kleinen Tröpfchen absondern kann, um z. B. sein Revier zu markieren. Das Sekret ist dann – auch für Menschen – mehrere Wochen riechbar. Ein Fuchs signalisiert darüber jedoch auch Furcht und hier liegt vermutlich der Entstehungsgrund für das Gerücht, dass Füchse selbst stinken.
Ich wollte wissen, warum die Menschen immer glauben, dass Füchse stinken. Deshalb habe ich mich in meiner Gegend einmal umgehört, was für Erfahrungen die Menschen zu dieser Annahme bewegen. Dabei kamen interessante Geschichten ans Tageslicht: Manche wussten zu berichten, dass Jäger einen in einer Falle gefangenen Fuchs im Wald zur Schau gestellt haben. Die Menschen kamen, um das Tier zu sehen. Kein wunder, dass dieses arme Geschöpf im Käfig ohne Fluchtmöglichkeit in seiner (Todes-)Angst dieses Sekret abgesondert hat. Was die Leute hier gerochen haben war nicht der Fuchs, sondern die namenlose Furcht des Tieres, welches diese eben durch einen Duftstoff signalisiert. Füchse sind Fluchttiere. Ein gesundes Tier wird im Normalfall vor jedem Menschen weglaufen. Die meisten Situationen, in denen sich Menschen Füchsen nähern können sind also Extremsituationen für die Tiere: Ob gefangen in Fallen, bei/nach Jagden, angefahren auf der Straße oder in Städten/Gärten in die Enge getrieben, immer spielt Angst eine große Rolle... Obwohl die meisten Menschen Füchse - wenn überhaupt - nur bei solchen Gelegenheiten erlebt haben und nicht in freier Wildbahn, werden die Erlebnisse verallgemeinert und schon haben die Fuchse ihren schlechten Ruf weg.
Ein anderer Geruch, den viele Menschen mit Füchsen verbinden, ist der von Urin. Gerade Fuchsurin riecht sehr stark.
Etwas von all diesen Duftstoffen haftet einem Fuchs natürlich unbestreitbar an und daraus resultiert ein typischer Körpergeruch, der aber nicht so extrem ist, wie weit verbreitet angenommen. Unsere Haustiere sind schließlich auch nicht geruchlos...
Menschen, die zahme Füchse halten, bestätigen es: Füchse stinken nicht, sondern haben sogar einen angenehmen Körpergeruch!

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Füchse töten im “Blutrausch“


Füchse töten nicht aus Boshaftigkeit oder Spaß andere Tiere und von einem “Blutrausch“ kann wirklich keine Rede sein! Vielmehr sind sie nicht einmal wählerisch und fressen - wenn vorhanden - Früchte oder Aas und jagen nur das Nötigste. Aber Füchse sind nicht dumm und daher legen sie bei Gelegenheit eine Nahrungsvorrat für schlechtere Zeiten an. Wenn also ein Überschuss an Nahrung zur Verfügung steht, wird er optimal genutzt. Unter normalen Unständen kann ein Fuchs jedoch nicht beliebig viele Tiere jagen. Er bekommt in der Regel das schwächste Tier (einer Gruppe, während die übrigen entkommen) oder unaufmerksame, kranke Tiere. Anders in der verdrehten Welt, die der Mensch geschaffen hat: Wenn ein Fuchs in einen Hühnerstall, Kaninchen- oder Meerschweinchengehege gelangt, so bietet sich dort plötzlich ein Überschuss an Beute, die nicht fliehen kann. Folglich nutzt der Fuchs die Gelegenheit und macht so viel Beute, wie möglich. Obwohl ein Fuchs so handeln KANN, muss es nicht immer der Fuchs gewesen sein, der den Hühnerstall geplündert hat. Genauso gut sind andere Wildtiere wie z. B. Wiesel und Marder oder auch Nachbars Jagdhund durchaus dazu in der Lage!
Es ist natürlich verständlich, dass sich die Menschen ärgern, wenn beispielsweise ihr Hühnerbestand schrumpft, aber es nützt nichts, dann einen Hass auf die Wildtiere zu entwickeln und sich an ihnen zu rächen, indem man sie töten lässt. Man kann das Problem schließlich einfach umgehen, indem man das Gehege einbruchsicher macht. So hilft man nicht nur seinen Nutz- oder Haustieren, sondern auch den Wildtieren, ohne dass ein Tier sterben muss.

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Füchse übertragen den “Fuchsbandwurm“

Mit der Erkrankung, die aus einer Infektion mit diesem Parasiten hervorgehen kann (die Echinococcose), ist tatsächlich nicht zu spaßen. Kein Wunder, dass die Menschen Angst vor dieser Erkrankung haben. Aber wie rational ist diese Angst? Erstens sollte man wissen, dass bei weitem nicht jeder Fuchs den “Kleinen Fuchsbandwurm“ in sich trägt. Zweitens sollte man wissen, dass es sehr unwahrscheinlich ist, sich mit dem Parasiten zu infizieren. Infizierte Füchse scheiden die Eier des “Kleinen Fuchsbandwurms“ (Echinococcus multilocularis ) über den Kot aus. Um sich zu infizieren, müsste man die Eier einatmen oder schlucken. Wie soll das gehen? Nun, es existiert das Gerücht, dass die Eier fliegen könnten. Das ist natürlich so nicht richtig. Die Eier sind sehr leicht und können theoretisch vom Wind fortgeweht werden. Das ist jedoch bereits relativ unwahrscheinlich, denn die Eier sind im Kot vermengt. Noch unwahrscheinlicher ist es, dass man die wenigen Eier , die evtl. von der Oberfläche mit dem Wind davongetragen werden dann einatmet. Andere Quellen behaupten, man könne sich infizieren, wenn man Waldfrüchte, Beeren oder Pilze isst. Ziemlich unwahrscheinlich, dass ein Ei des Parasiten, welches vom Wind davon getragen wurde, ausgerechnet auf einer Beere landet und auch noch haften bleibt, die ein Mensch dann pflückt und verspeist, nicht?
Füchse essen zwar ebenfalls Waldfrüchte/-beeren, aber auch so kommen wohl kaum die Eier der Parasiten auf die Frucht.
Generell sollte man die Früchte, Beeren und Pilze aus dem Wald gründlich mit Wasser abwaschen, bevor man sie verspeist oder weiter verarbeitet. Wer das Tut, ist auf der sicheren Seite. Wer sich jetzt dennoch Sorgen macht, kann die Früchte auch einkochen. So ist die Gefahr gleich null. (Einfrieren würden die Eier übrigens überleben.)
Das Einatmen oder Schlucken der Eier muss allerdings auch nicht zwangsläufig zu einer Infektion führen! Risikopersonen können sogar Antikörper gegen den Parasiten bilden und erkranken nicht unbedingt! Außerdem sind die wenigen Erkrankungsfälle in der Statistik meist Jäger, die sich beim Fell-abziehen der getöteten Füchse anstecken.
Der Fuchsbandwurm wird von der Jägerschaft oft eingesetzt, um die Jagd auf Füchse zu rechtfertigen. Das ist jedoch völliger Schwachsinn, denn der Fuchs ist lediglich der Endwirt dieses Parasiten. Zwischenwirte sind z. B. Mäuse. Es hat also absolut keinen Sinn, Füchse auf Grund dieses Parasiten zu erschießen, weil die Zwischenwirte den Parasiten am Leben halten. Und über diese Zwischenwirte können sich Katzen und Hunde ebenso anstecken. Aber wie zu Beginn erwähnt kommt dieser Parasit bei weitem nicht so oft vor, wie man denkt und eine Ansteckung ist höchst unwahrscheinlich

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Füchse übertragen Tollwut

Ähnlich wie mit dem Bandwurm ist es auch mit der Tollwut. Auch mit dieser Krankheit ist nicht zu spaßen: Sobald sie ausgebrochen ist, führt sie bei Mensch und Tier immer zum Tode. Aber auch hier sollte die Furcht nicht über den Verstand herrschen! Um sich mit Tollwut zu infizieren muss der Erreger in die Blutbahn geraten. Dies kann z. B. durch einen Biss von einem tollwütigen Tier geschehen, oder bei Kontakt von offenen Wunden mit dem Erreger (z. B. in Speichel oder Blut enthalten), daher sollte man sicherheitshalber keine toten Wildtiere anfassen (oder zumindest Handschuhe dabei tragen). Aber die Gefahr der Tollwut wird meist überschätzt. Heute ist die Gefahr an Tollwut zu erkranken relativ gering:  Dank der modernen Medizin ist es heute möglich, sich auch nach einem Biss noch impfen zu lassen und den tödlichen Verlauf der Krankheit abzuwenden. Dies sollte natürlich möglichst schnell nach der Infektion geschehen, denn umso schneller die Impfung nach der Infektion gegeben wird, desto größer sind die Chancen, dass die Krankheit nicht ausbricht. Mit einer rechtzeitigen (nachträglichen) Impfung nimmt man der Tollwut so meist den Schrecken.
Gefährdete Personen (z. B. Waldarbeiter, Reisende nach Afrika oder Asien, Tierärzte) sollten sich mit einer Schutzimpfung versorgen lassen.
Obwohl der Fuchs die Krankheit übertragen kann, ist er bei weitem nicht der einzige. Auch Rehe, Hirsche, Dachse, Nager etc. können die Krankheit übertragen! Also, kein Grund auf die Füchse zu schimpfen, denn schließlich können sie auch nichts für die Existenz dieser Krankheit und sind auch nur Opfer.
Dennoch nutzen die Jäger die Tollwut gerne als Argument für die Jagd auf Füchse. Wiederum macht es keinen Sinn, Füchse wegen der Tollwut zu schießen. Füchse verfügen über bestimmte Sozialstrukturen, bei denen das Töten eines Fuchses die Ausbreitung der Krankheit in der Regel sogar begünstigt: Wird ein Fuchs getötet und ein Revier wird frei, so kommen andere Füchse in dieses Gebiet (Vakuumeffekt) und konkurrieren darum. Dabei kann es bei Auseinandersetzungen zu Bissverletzungen und einer Übertragung der Krankheitserreger kommen. Die besiegten Tiere ziehen anschließend weiter, um ein anderes Revier zu finden. Diese Reise kann sich über viele Kilometer hinziehen und so kann der Virus in andere Gebiete gebracht werden. (Mehr Informationen hierzu finden sie unter =>Sozialstruktur und Revier.)
Bewährt haben sich allerdings Impfköder. Die Köder enthalten mit Lebendimpfstoff gefüllte Kapseln und werden in regelmäßigen Abständen per Flugzeug oder Helikopter ausgelegt. Ein Fuchs, der einen solchen Köder frisst ist effektiv gegen Tollwut geimpft. So konnten die Tollwutfälle in Deutschland stark reduziert werden: Waren im Jahr 1985 (in Deutschland) noch 4955 Füchse an Tollwut erkrankt, wurden 2003 (mit Beitrittsgebiet) bereits nur noch 13 Fälle festgestellt.

Es gibt aber auch Fachleute, die davon ausgehen, dass auch völlig ohne Eingriffe (keine Impfstoffe, keine Jagd) die Tollwutfälle zurückgehen würden. Die Krankheit würde dann, so die Vermutung langsam aussterben.

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Ó Daniel Peller