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Natur wahrnehmen
Einige von euch wissen ja schon, dass ich gerne mal durch den Wald streife und versuche, Tiere zu beobachten. Aber es ist nicht nur der Wald, der mich mit seinem Leben fasziniert und anzieht: Eigentlich kann man überall Leben entdecken, wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht.
Weil ich aber ein Fuchsfan und hauptsächlich hinter den Füchsen her bin, halte ich mich bei meinen
morgendlichen und abendlichen Exkursionen meist in Gebieten auf, die auch einem Fuchs
gefallen würden. Füchse sind Tiere, die gerne an Grenzgebieten von Wald und Feld leben. Mit etwas Wasser in der Nähe und ein paar
Wohnungen an kleinen geschützten Hängen. Das ist optimal.

Das hier ist mein Wildtierbeobachtungsgebiet. Hier betreibe ich im ganz kleinen Rahmen Feldstudien und versuche "meinem" Fuchs auf der Spur zu sein. Das Gebiet ist (fast) optimal, weil ich hier große Felder (Nahrungsquelle f. Füchse; z. B. Feldmäuse) und einen dichten Wald habe.
Fast perfekt, weil hier viel gejagt wird und das von Menschen. Auf 500 Metern
finden sich drei Hochsitze. :(
Die Felder fallen zum Wald hin ab, so dass ein kleines Tal vor dem Waldrand entsteht - schön um ungesehen umherzuschleichen... Hinter dem Waldrand ist ein kleiner Bach, der die meiste Zeit des Jahres eher ein schlammiges
Rinnsal ist, aber in Regenzeiten genug Wasser führt, um einen kleinen Teich zu speisen. Dieser Teich wiederum bzw. der schlammige
Grund des Teiches ist ein herrlicher Platz für Wildschweine, die sich dort manchmal lautstark mit dem Schlamm beschäftigen.

Hinter dem Bach ist ein Weg, der von Fahrradfahrern und Joggern viel genutzt wird, was natürlich dazu führt, dass die Tiere tagsüber dort nicht zu sehen sind. Sie weichen tief in den Wald oder auf das Feld aus. Bei solch einer Gelegenheit gelang mir das folgende Bild.

Dieser sehr schöner Rehbock lief am helllichten Tage unweit vom Waldrand umher, als ich ihn aus dem Wald heraus entdeckte. Ich schlich mit der Digitalkamera in der Hand und natürlich in Tarnkleidung über den Bach aus dem Wald heraus. Kurzzeitig lauschte der Rehbock und sah sich um, dann wendete er sich wieder seinem Futter zu. Ich ging ein paar Schritte weiter, bis er sich wieder skeptisch umblickte... Äußerst langsame Bewegungen machten es Möglich, dass ich mich bis auf vielleicht 10-15 Meter an ihn heranschleichen konnte und so entstand dieses Foto. Kein Fuchs; trotzdem ein wunderschönes Bild, wie ich finde.

Weiter geht es zum Fuchstreff. Der "Fuchstreff" ist die Stelle, an der ich "meinen" Fuchs zum erstenmal wahrgenommen habe - und zwar mit den Ohren. Am Fuchstreff macht der Waldrand einen Knick und der Fußweg verläuft an dieser Stelle weiter innen hinter dem Waldrand. Als ich die Gegend erstmals bei Dämmerung
abgegangen bin, kam ich auch an dieser Stelle vorbei und plötzlich bellte mich ein Fuchs an! Genauer gesagt denke ich,
der Fuchs warnte einen anderen Fuchs vor mir (also einer potentiellen Gefahr)
der auch prompt von weiter weg bellend antwortete... Ich habe den Fuchs an diesem Abend nicht gesehen, aber er stand direkt hinter dem Waldrand, während ich
draußen auf dem Feld stand. Das Bellen war so laut und kam derartig plötzlich, dass ich mich riesig erschreckt habe ;) .
Dann habe ich mich erst mal zurückgezogen...
Mit der Zeit habe ich mich an das Bellen gewöhnt, wenn ich darauf gefasst bin. Der
Fuchs den ich eine Zeit lang regelmäßig an dieser Stelle "besuchte" wurde auch
jedes Mal ruhiger und bellte weniger. Wenn ich kam, kam auch er und ich hatte
das Gefühl er beobachtet mich. Er blieb dabei zwar immer außer meiner Sichtweite, beschwerte sich aber
akustisch über meine Anwesenheit. Auch tagsüber war er dort, ich vermute hier lag sein Tagesschlafplatz. Die Beschwerden wurden mit
jedem "Besuch" weniger, bis er mich anscheinend akzeptiert hatte. An einem Abend, als ich nach zweistündigem Sitzen auf dem Feld (auf einem Dreibeinhocker mit Fernglas; ein guter Beobachtungsabend, weil ich sehr viele Tiere gesehen habe) gerade nach hause gehen wollte, lief er einfach etwa 10 Meter neben mir aus einem Sonnenblumenfeld heraus an mir vorbei Richtung Wald. Das war das erste Mal, dass ich ihn gesehen
habe (und ist etwa 2 Monate her) - ein sehr schöner Fuchs, soweit ich dass in der Dämmerung sehen konnte. Als mein Blick ihn überrascht verfolgte, wurde er immer schneller, schnürte und trabte dann in den Wald... Herrlich!
Es ist schwer einen echten wilden Fuchs von so nah zu sehen. Noch schwerer ist es ihn zu fotografieren. In der Dämmerung macht das wenig Sinn und selbst mit NightShot hat man Probleme, weil man ja im richtigen Moment auch die Kamera bereit haben muss, wenn der Fuchs sich plötzlich zeigt. Bisher ist mir das noch nicht gelungen, aber ich arbeite dran ;) !

Leicht einfangen lassen sich allerdings Landschaftsbilder. Diese schöne Ecke fand ich in einem Waldstück fern vom Fuchstreff. An solchen Stellen bleibe ich gerne mal einen Moment. Ich weiß nicht, wie dieser Ort entstand, jedenfalls hat er für mich etwas ganz besonderes. Fotos bringen nicht die Wirkung rüber, welche dieser Ort in Wirklichkeit hat. Man muss die Lichtspiele auf dem Waldboden sehen, wenn der Wind mit den Blättern spielt. Man muss die Ruhe des Moments wahrnehmen und dann den Tierstimmen lauschen. Man muss die Luft einatmen und die Natur riechen. Man muss den Ort mit allen Sinnen wahrnehmen. Vielleicht kann man auch darüber nachdenken, wie viele solche Orte es noch auf der Welt gibt - oder in unserem Sonnensystem - oder der Galaxie. Dann kann man vielleicht erkennen, wie nichtig und klein manche Probleme eigentlich sind und kann dann neue Kraft schöpfen... aus der Schönheit der Natur. Gleichzeitig kann einem dann aber auch bewusst werden, dass es der Mensch ist, der diese Natur zunehmend verdrängt und zerstört... Das sind nur einige wenige Gedanken, die mir zu diesem Bild einfallen.

Dieses Bild entstand vor ein paar Wochen nahe dem Fuchstreff. Eigentlich nicht so besonderes. Ein sonniger Vormittag im Wald... Das besondere bei solchen Bilder ist für mich, dass ich sie mir etliche Male ansehen kann und doch immer etwas neues entdecke. Ich behaupte, der Mensch von heute hat kaum noch einen Blick für die Natur. Aber diesen Blick kann man schärfen...

Ohne diesen Blick entgeht einem vieles, wie z. B. dieser Feldhase.

Auch die kleinen Tiere übersieht man leicht, dabei sind sie oft wunderschön...

Dieses Kunstwerk der Natur habe ich in einem Nationalpark in Mittelschweden
gefunden. Schwedenfans ist es vielleicht sogar bekannt. Ich musste es
fotografieren. Dieser Baum ist so gewachsen. Er wurde nicht von Menschen
bearbeitet, sondern allein von der Natur. Wenn ich diese Form ansehe, muss ich
an die schwedischen Sagen über Waldtrolle und dergleichen denken. Vielleicht
haben solche Formen nachts oder in der Dämmerung so mysteriös ausgesehen, dass
Menschen dazu inspiriert wurden, diese Geschickten zu erfinden. Wer weiß.
Manche denken vielleicht, es sei nur ein verkrüppeltes stück Holz, aber das
ist es nicht. Der Baum ist etwas einzigartiges und besonderes. Man muss das nur
erkennen.
Wenn man dann den Blick etwas geschärft hat, ist aber noch wichtig, wohin die
Augen schauen. An dieser Stelle ist ein anderes Sinnesorgan sehr hilfreich, das
Gehör. Genau wie die Augen, so kann man auch die Ohren für die Natur öffnen.
Wenn man mit geschlossenen Augen mitten im Wald steht, ergibt sich ein Bild im
Kopf auf dem man manchmal mehr sehen kann, als mit den Augen. Tiere, die sich
außer Sichtweite befinden kann man an ihren Rufen und Lauten erkennen und
lokalisieren.
Folgendes Tier habe ich so mit den Ohren entdeckt. Es hat sich durch Geräusche
verraten. Nur so konnte ich meinen Blick suchend in die Richtung der
Geräuschquelle richten und selbige finden: dieses schöne Eichhörnchen.

Jeder kann seine Sinne im Wald ausprobieren und dabei
- nicht einfach nur sehen, sondern entdecken!
- nicht nur hören, sondern mit den Ohren sehen!
D.P. , 30. September 2004
Ó Daniel Peller